Amazon Kurierfahrer werden – das musst du 2020 wissen!

Amazon ist schon seit einiger Zeit der größte und wichtigste Versandhändler auf dem deutschen (Online-)Shopping-Markt. Inzwischen will der amerikanische Konzern aber nicht mehr nur den großen Kaufhausketten und Versandhändlern Konkurrenz machen, sondern auch seinen eigenen Logistik-Partnern. So baut Amazon gerade aktiv eine Flotte eigener Kurierfahrer auf, die bislang ausschließlich Amazon-Pakete ausfahren. Wie du selbst Amazon-Zustellpartner wirst und was du dazu wissen solltest, erfährst du hier!

Hinweis: Bei KARABAG suchen wir derzeit keine Kurierfahrer. Bei diesem Artikel handelt es sich nur um einen redaktionellen Artikel mit dem Hinweis, sich als Kurierfahrer bei Amazon zu betätigen. Wir bitten daher von Anrufen & Bewerbungen als Kurierfahrer bei uns abzusehen.

Was ist Amazon Logistics?

Bereits 2016 begann Amazon in den USA mit einem eigenen Logistik-Service seine Bestellungen selbst auszuliefern. Wobei es "eigener Logistik-Service" an dieser Stelle nicht ganz trifft, denn Amazon kooperiert dazu mit lokalen Transportunternehmen. Ziel soll sein, die Schnelligkeit der Lieferungen weiter zu erhöhen und das Versprechen der Same-Day-Delivery (Lieferung am gleichen Tag der Bestellung) zuverlässig einlösen zu können.

Nicht zuletzt verspricht sich Amazon davon aber sicherlich auch eine Kostensenkung im Vergleich zur Auslieferung durch DHL, Hermes und Co. – denn durch die langfristige und erfolgreiche Zusammenarbeit mit anderen Transport-Anbietern bekommt der Versand-Riese gegenüber den großen Playern andere Verhandlungspositionen. In Deutschland ist Amazon Logistics inzwischen etwa in München, Berlin, dem Ruhrgebiet und auch Hamburg verfügbar.

Wie kann ich Amazon-Zustellpartner werden?

Um sich bei Amazon als lokaler oder regionaler Zustellpartner bzw. als Transport-Unternehmen zu bewerben, ist die Registrierung bei Amazon Logistics erforderlich. Dabei ist es unerheblich, ob du ein einzelner Fahrer oder ein größeres Transport-Unternehmen bist. Allerdings bestehen einige Voraussetzungen, damit dein Unternehmen auch angenommen werden kann, dazu gehören u.a.:

  • Du hast eigene Fahrzeuge, die jeweils über mindestens 6,5 m³ Ladevolumen verfügen.
  • Deine Fahrer müssen standardmäßige Fahr- und Sicherheitstrainings absolviert haben.
  • Du benötigst einen vollständigen Versicherungsschutz.

Amazon behält sich weiterhin vor, deine Fahrzeugflotte mit den eigenen Logos auszustatten – das bedeutet also, dass deine Transporter nicht gebrandet sein sollten.

Außerdem benötigst du eine gewisse Hardware-Ausstattung, die von Amazon bereitgestellt wird: Dazu gehört ein GPS-Tracker, der den Standort des Fahrzeugs übermittelt. Damit kann der Endkunde seine Bestellung per Live-Tracking verfolgen. Gleichzeitig wird darüber auch die dynamische Routenplanung für die Zustelltour durchgeführt. 

Was sind meine Pflichten als Logistikpartner von Amazon?

Damit du Logistikpartner von Amazon werden kannst, musst du für einige Dinge selbst Sorge tragen – du fährst also nicht einen Amazon-Transporter oder bist gar Angestellter bei Amazon. Im Gegenteil: Du bist für die Anstellung deiner Fahrer verantwortlich und trägst dahingehend das "Risiko". Darüber hinaus benötigst du eigene Lieferwagen, für deren Unterhalt und Wartung du dementsprechend auch selbst Sorge tragen musst. Auch um die Abrechnung musst du dich kümmern und wöchentliche Rechnungen an Amazon Logistics stellen.

Vorteile für Logistik-Partner

Natürlich entstehen für dich als Logistik-Partner aber auch einige Vorteile in der Zusammenarbeit mit Amazon, nicht zuletzt durch zusätzliche Aufträge für deine Kurierfahrer. Mittelfristig wird das Bestellvolumen bei Amazon wohl kaum abnehmen – höchstens eine Umentscheidung des Amazon-Managements zu Gunsten anderer Transportvarianten auf der letzten Meile könnte hier einen negativen Effekt haben.

Außerdem wird die Beladung deiner Transporter und die Routenplanung durch Amazon-Mitarbeiter an den Verteilzentren durchgeführt. Bei der Routenplanung sollen übrigens dank spezieller Software möglichst optimierte Fahrten zustande kommen, die durch eine Vermeidung von Umwegen möglichst umweltfreundlich sind. Dadurch sinken letztlich auch die Treibstoff-Kosten deiner Transporter.

Zudem bekommst du Unterstützung von Amazon in Form moderner Tools und Software, die etwa dem Fahrer beim Abstellen des Fahrzeugs gleich mitteilt, welche weiteren Pakete er mitnehmen kann, ohne nochmal zum Auto zurücklaufen oder etwa umparken zu müssen. Das spart Zeit und somit Geld.

Wohin die Reise gehen kann, zeigt ein Blick über den großen Teich: In den USA scheint Amazon händeringend weitere Logistik-Partner zu benötigen und geht dort schon soweit, dass sie die Gründung von Logistik-Startups unterstützen und dabei (natürlich Amazon-gebrandete) Transporter, Kleidung, Versicherungen und Treibstoff zur Verfügung stellen. Aber ob dieses Modell tatsächlich funktioniert und auch nach Deutschland kommt, ist bislang nicht bekannt. 

Konkurrenz durch private Auslieferer?

Allerdings muss man auch bedenken, dass Amazon sich nicht nur auf die Zusammenarbeit mit professionellen Transport-Dienstleistern konzentriert. So gibt es in einigen Gegenden bereits Amazon Flex: Der jüngste Logistik-Service des Versand-Riesen bietet auch Privatleuten die Möglichkeit, zum Paketzusteller zu werden. Damit werden die zu einem Super-Subunternehmer und arbeiten ohne feste Anstellung und bekommen ihre Zustellfahrten nur über die Amazon Flex-App zugeteilt.

Dadurch steht der Service in der Kritik und diese ist nicht ganz unbegründet, denn es werden durch die Umgehung von Anstellungsverhältnissen Verdienstregelungen ausgehebelt. Festangestellte Paketzusteller/innen bekommen nach Tarifvertrag ca. 11,38 Euro brutto pro Stunde. Amazon bezahlt dagegen bis zu 64 Euro für eine Schicht von mindestens vier Stunden – das sind 16 Euro pro Stunde (die allerdings nicht garantiert werden können).

Kritiker sagen, dass mit diesem Service das Lohndumping in der Logistikbranche weitergehen wird, anstatt endlich eine Trendwende in der Sub-Sub-Sub-Unternehmer-Mentalität herbeizuführen. Zwar ist Amazon Flex kein Ersatz für eine Vollzeittätigkeit, da die Einsätze laut Amazon nicht garantiert werden können, sondern nur zu Spitzenauslastungs-Phasen (Weihnachten, Muttertag, Ostern, usw.) ergänzt werden. Dennoch scheint es ein fragwürdiger Ansatz zu sein, die großen Versandunternehmen unter Druck zu setzen, denn die Gefahr besteht, dass darunter vor allem kleinere Dienstleister leiden könnten.

Ist die Zusammenarbeit mit Amazon sinnvoll?

Als Versandpartner von Amazon kannst du dir kurz- bis mittelfristig sicherlich eine gute Auslastung deiner Transporter sichern. Natürlich gilt auch hier unser Tipp: Prüfe alle Verträge und Bedingungen, die Amazon dir vorgibt, ganz genau und stelle dir die Frage, ob diese für dich annehmbar sind.

Dennoch solltest du dir sicherlich keine Illusionen machen, dass dies für immer weitergeht – nicht zuletzt, da Amazon selbst an vielen Stellen die Zukunft der Logistikbranche umdenken will und weiterentwickelt. Das geht bis hin zu Drohnen, die automatisiert Pakete auf der letzten Meile zustellen.

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